Self-Storage Marketing: Was zählt?
Wer ein Self-Storage baut, will es schnell füllen. Neueinsteiger werben auf allen Kanälen – und verbraten so unnötig Geld. Unsere Kunden haben schon alles probiert. Mieter bringen nach ihrer Erfahrung Google Ads, eine Website mit Preisen und Online-Buchung und Werbung am Gebäude; Social Media bringt keine.
Den Überblick gibt Self-Storage in Deutschland.
1. Warum mieten Menschen Self-Storage?
Weil sich ihr Leben ändert: Die größten Treiber für den Bedarf nach Lagerplatz sind die "4Ds of Self-Storage", vier lebensverändernde Ereignisse, die beim Menschen den Bedarf nach Lagerraum wecken. Kontrollieren können wir sie nicht:
- Divorce: Scheidung, Trennung oder einfach die Auflösung von Wohngemeinschaften – aber auch das Zusammenziehen in eine neue, gemeinsame Wohnung führt manchmal dazu, dass man Möbel und Hausrat einlagern will.
- Death: ein Tod in der Verwandtschaft, der mit einer Wohnungsauflösung einhergeht; bis der Nachlass geregelt ist, muss oft eine ganze Wohnung kurzfristig geräumt werden.
- Downsizing: die Kinder sind ausgezogen, die Eltern ziehen in eine kleinere Wohnung um, wollen aber lieb gewonnene Erinnerungen aufbewahren.
- Displacement: Wer plötzlich Haus oder Wohnung verliert, braucht als Zwischenlösung schnell Platz für seine Dinge.
Die Nachfrage im Self-Storage wird über makroökonomische Vorgänge gesteuert, wie steigende Wohnungspreise, Arbeitslosigkeit oder Todesfälle. So überrascht es nicht, dass die Corona-Pandemie Lagerplatzanbietern zu Rekordumsätzen verhalf.
Self-Storage ist nicht sexy, sondern eine nüchterne Notwendigkeit wie eine Versicherung, die man gezielt sucht, wenn man sie braucht.
2. Wer mietet Self-Storage?
Vor allem Menschen zwischen 40 und 50 Jahren: Sie sind am stärksten von den 4Ds betroffen, egal ob die Kinder ausziehen, die Eltern sterben oder eine Ehe geschieden wird.
Besonders gefragt ist Self-Storage in der Stadt, wo Mietpreise hoch und Keller manchmal fehlen oder feucht sind.
Seit ein paar Jahren wird auch direkt in den Zentren gebaut: Digitalisierte Self-Storage-Anlagen werden mit minimalem Personalaufwand betrieben; das macht den Betrieb auch auf kleinen Flächen von 100–500 m² rentabel.
3. Wonach wählen Mieter ein Self-Storage?
Nach Lage, Qualität und Preis. Der typische Mieter sucht im Internet, öffnet die erste Seite an Suchergebnissen und vergleicht die Angebote. Darauf legt er Wert:
- Lage: Nähe zählt. Niemand will weit schleppen. Dieser Komfort darf mehr kosten.
- Qualität: Sauber, sicher, trocken und sympathisch soll es sein.
- Preis: Preis ist wichtig. Stimmen Lage & Qualität, darf es etwas mehr kosten.
Was gar nicht funktioniert, ist Technologie wie Apps oder Smart Locks als USP zu platzieren. Kunden wollen ihr Platzproblem lösen. Dass das Angebot modern ist, ist kein Pluspunkt, sondern wird vorausgesetzt.
4. Was gehört auf meine Self-Storage-Website?
Abteilgrößen und Preise gehören auf jede Website. Viele Anbieter bieten keine Online-Buchung, nur ein Kontaktformular. Aber Kunden buchen gerne gleich. Mit moderner Self-Storage-Software lässt sich ein Webshop einfach und günstig umsetzen.
Mit 360°-Touren und -Videos Ihres Standorts sehen Kunden das Produkt, bevor sie mieten. Manche Betreiber setzen ganz auf diese Touren und streichen persönliche Self-Storage-Besichtigungen ganz aus dem Programm.
Die größte Herausforderung auf Ihrer Website ist es, bei der Auswahl der Box zu beraten. Eine Lösung dafür sind Platzrechner, mit denen sich der Stauraum berechnen lässt.
5. Wo lohnt sich Online-Werbung?
Wichtigste Werbeform sind Google Ads - Keywords wie "lagerraum mieten", die eine klare Buchungsabsicht ausdrücken, funktionieren am besten. Setzen Sie ergänzend auf ein aktuelles, gepflegtes Google-Business-Profil - das hebt Ihre Sichtbarkeit.
Längerfristig helfen Content Marketing & SEO - das Schreiben von Textartikeln, die auf bestimmte Keywords abzielen. Aber Schreiben & Pflegen ist aufwendig. Nicht jeder tut es sich an.
6. Lohnt sich Social Media?
Auf Facebook, Twitter & Instagram kommen Self-Storages nicht an - Lagerplatz ist kein Lifestyle-Produkt. Self Storage: 0 Likes.
Auch auf LinkedIn wirken Angebote für Lagerraum verzweifelt: Wie wahrscheinlich will Ihr Kontakt aus Köln eine Lagerfläche in München? Self-Storage-Franchises nutzen es aber erfolgreich zur Suche von Lizenznehmern.
7. Wie nenne ich mein Self-Storage?
Am besten deutsch, mit einem bekannten Ort und ohne markenrechtlich geschützte Namen. Den eigenen Namen als Marke zu schützen, ist oft nicht möglich; ein ungeschützter Name ist meist kein Nachteil.
Deutscher oder englischer Name?
Ein deutscher. Es gibt zwei gute Gründe, auf englische Wortteile im Unternehmensnamen zu verzichten:
- "Self-Storage" und "Selbsteinlagerung" sind unbekannt: Wie Google Trends zeigt, suchen Menschen in Deutschland 36 Mal öfter nach "lagerraum mieten" als nach "selfstorage mieten".
- Deutsch erklärt Ihr Angebot besser: "Store" kann "lagern" heißen, aber auch "Laden". "Storage" bedeutet "Lager", aber auch "Datenspeicher". Und schließlich spricht einfach nicht jeder gut Englisch.
Gehört der Ort in den Namen?
Ja, denn Lagerplatz wird immer in der Nähe gesucht. Helfen Sie Interessenten, Ihren Standort schneller zu verstehen, indem Sie Ihre Standorte nach lokalen bekannten Orten benennen, wie "Rheinlager am Hauptplatz" oder "Rheinlager am Einkaufszentrum".
Achtung: Verzichten Sie auf die Verwendung markenrechtlich geschützter Namen.
Brauche ich Markenschutz?
Meist nicht – oft ist Markenschutz gar nicht möglich. Eine große Kette hat es zwar geschafft: Ihr Unternehmensname ist zum Kategoriebegriff geworden. Aber andere Anbieter übernehmen den Begriff und setzen nur "Meine" oder "Deine" davor.
In vielen Fällen ist Markenschutz nicht möglich. Denn eine Kombination aus Begriffen aus dem Wörterbuch ist nicht schützenswert – Namen aus Wörtern wie "Lager", "Raum" oder "Extra" sind als Textmarke nicht schützbar.
Eine Lösung dafür wäre die Schaffung einer eigenen Wortmarke, wie sie manche große Ketten tragen. Nur: Wie schreibt man die noch mal? Kunstworte haben das Problem, dass man sich die entstellten Begriffe schlecht merkt.
Ist eine ungeschützte Unternehmensmarke ein Problem? Wir denken nicht:
Self-Storage wird bei Bedarf gebucht. Sobald alles verstaut ist, hat man es vergessen. Branding braucht viele Kontakte. Das kostet viel – und kann sogar nach hinten los gehen, wenn Mieter an Verträge erinnert werden und kündigen.
Natürlich schützen sich trotzdem manche Anbieter ihre Unternehmensmarke als Textmarke oder kombinierte Marke aus Wort und Bild. Die meisten tun es nicht – und scheinen keinen Nachteil daraus zu haben. In diesem Sinn: Einfach halten.
8. Helfen Paketstationen beim Füllen?
Sie können: Besucher lernen das Self-Storage beim Paketabholen kennen. Deshalb stellen manche Self-Storage-Betreiber Paketstationen auf ihrem Gelände auf. Die Paketstation kostet den Betreiber nichts – Errichtung und Strom übernimmt der Paketanbieter. Nachteil: Langfristiger Vertrag, zusätzliche Verschmutzung, und wenn das Storage voll ist, bringt die Paketstation keinen Mehrwert mehr.
9. Was hilft neben Google Ads?
Werbung am Gebäude und Plakatwände in der Nähe. Google Ads gehen ins Geld; nutzen Sie deshalb unbedingt auch diese beiden, um Ihr Angebot zu bewerben.
Auch Kunden-werben-Kunden-Programme können helfen. Wählen Sie aber den richtigen Zeitpunkt für die Ansprache. Ungefragte E-Mails vom Self-Storage-Anbieter können an die laufende Zahlung erinnern - und zur Kündigung führen.
